Das Kraftwerk Stuttgart-Münster hat eine neue Ära eingeläutet. Mit dem Ende der Heizsaison hat der Energiekonzern EnBW den Kohlebetrieb endgültig eingestellt. Die neue Gasturbinenanlage übernimmt nun vollständig die Strom- und Fernwärmeversorgung der Landeshauptstadt. Der Parallelbetrieb beider Systeme ist abgeschlossen.
Jahrzehnte der Kohle: Ein Kapitel schließt sich
Das Heizkraftwerk Stuttgart-Münster hat die Stadt über Jahrzehnte mit Energie versorgt. Kohle war dabei lange der zentrale Brennstoff. Damit ist nun Schluss. Mit Ablauf des ersten Quartals endete auch die Reservefunktion des alten Kohleblocks. Die EnBW hat den Übergang planmäßig vollzogen.
Der Wandel begann bereits im März 2023. Damals fiel der offizielle Startschuss für den Bau der neuen Gasturbinenanlage am Standort Münster. Parallel dazu entstand eine Großwärmepumpe. Anfang 2026 meldete die EnBW die abgeschlossene Umrüstung.
Neue Anlage: Wasserstoff als Perspektive
Die neue Anlage ist von Beginn an auf die Zukunft ausgerichtet. Sie ist wasserstofffähig konzipiert. Das bedeutet: Langfristig kann der Betrieb vollständig auf grünen Wasserstoff umgestellt werden. Damit gehört das Kraftwerk Stuttgart-Münster zu den ersten Anlagen dieser Art in ganz Deutschland.
Der ökologische Effekt ist messbar. Die CO2-Emissionen sinken durch den Wechsel von Kohle auf Erdgas um rund 60 Prozent. Das ist ein erheblicher Schritt für die Klimabilanz der Stadt.
Fernwärme für Haushalte, Betriebe und Behörden
Die neue Anlage versorgt gemeinsam mit den Heizkraftwerken Stuttgart-Gaisburg und Altbach/Deizisau den Fernwärme-Verbund Mittlerer Neckar. Zusammen beliefern die drei Standorte rund 28.500 Haushalte. Hinzu kommen etwa 1.400 Unternehmen und 380 öffentliche Einrichtungen.
Das Gaskraftwerk kann zudem am Regelmarkt teilnehmen. Das macht die Anlage flexibel einsetzbar. Sie kann kurzfristig auf Schwankungen im Stromnetz reagieren. Das ist ein Vorteil, den Kohlekraftwerke in dieser Form nicht bieten.
Gaisburg als Vorläufer: Kohleabkehr begann früher
Stuttgart-Münster ist nicht der erste Schritt aus der Kohle in der Landeshauptstadt. Bereits im Januar 2020 weihte die EnBW am Standort Gaisburg an der B 10 ein neues Gasheizkraftwerk ein. Dort ersetzte ebenfalls eine moderne Gasanlage die bisherige Kohletechnik. Die Fassade des Neubaus löste die frühere Kohlehalde ab.
Stuttgart hat damit seinen Energiemix schrittweise umgebaut. Der Abschluss in Münster markiert nun den letzten großen Schritt. Die Stadt bezieht Strom und Fernwärme seither vollständig ohne Kohle.
Fazit: Strukturwandel mit konkretem Ergebnis
Der Abschluss in Stuttgart-Münster zeigt, wie der Energiewandel in der Praxis funktioniert. EnBW hat einen jahrelangen Umbau abgeschlossen. Das Ergebnis ist eine flexiblere, sauberere Versorgungsstruktur für eine der größten Städte Baden-Württembergs. Die Wasserstofffähigkeit der Anlage gibt dem Standort Spielraum für weitere Schritte. Stuttgart hat die Kohle hinter sich gelassen, noch bevor der bundesweite Kohleausstieg gesetzlich vorgeschrieben ist.
