Der Karlsruher Energiekonzern EnBW hat zum 31. Dezember 2025 seine Anteile am Gemeinschaftskraftwerk Lippendorf verkauft. Käufer ist EP Energy Transition, ein Unternehmen der europäischen EP Group. Damit hat EnBW seinen letzten Braunkohleblock abgegeben. Ab Januar 2026 erzeugt der Konzern keinen Strom mehr aus Braunkohle.
Der Deal im Überblick
Das Gemeinschaftskraftwerk Lippendorf liegt im Landkreis Leipzig. Es besteht aus zwei Blöcken: Block R und Block S. Block R gehörte bereits der Lausitz Energie Kraftwerke, kurz LEAG. LEAG ist ein Tochterunternehmen von EP Energy Transition. EnBW hielt zuletzt 50 Prozent der Anteile am Kraftwerk und war damit am Block S beteiligt. Diese Anteile hat der Konzern nun ebenfalls an EP Energy Transition übertragen.
Das Bundeskartellamt hat den Verkauf genehmigt. Damit war der formale Abschluss des Deals möglich. Über den Kaufpreis haben die beteiligten Unternehmen keine Angaben gemacht.
Strategie: Kohleausstieg bis 2028
EnBW verfolgt das Ziel, bis Ende 2028 vollständig aus der Kohleverstromung auszusteigen. Das gilt für Braunkohle ebenso wie für Steinkohle. Der Verkauf von Lippendorf ist ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg. Der Konzern investiert parallel in erneuerbare Energien: Wind, Solar und Batteriespeicher stehen im Mittelpunkt des künftigen Erzeugungsportfolios.
Peter Heydecker, EnBW-Vorstand für Nachhaltige Erzeugungsinfrastruktur, bezeichnete den Verkauf als bedeutenden Schritt auf dem Weg zur Dekarbonisierung des Erzeugungsportfolios. Der Konzern mit Sitz in Karlsruhe ist eines der größten deutschen Energieunternehmen. Er versorgt rund zehn Millionen Menschen in Baden-Württemberg und darüber hinaus mit Strom und Gas.
EP Energy Transition übernimmt das Kraftwerk vollständig
Die EP Group ist ein europäisches Energie- und Industriekonglomerat. Mit dem Kauf der EnBW-Anteile hält EP Energy Transition künftig das Gemeinschaftskraftwerk Lippendorf vollständig. Die LEAG betreibt mehrere Braunkohlekraftwerke in der Lausitz. Das Unternehmen setzt auf eine längerfristige Nutzung von Kohlekapazitäten. Der gesetzliche Kohleausstieg in Deutschland ist für das Jahr 2038 geplant, für einige Regionen früher.
Der Verkauf zeigt die unterschiedlichen Strategien großer Energieunternehmen in Deutschland. Während EnBW den Ausstieg aus fossilen Energieträgern beschleunigt, setzt EP Energy Transition auf die Weiterführung von Kohlekapazitäten.
Bedeutung für den Energiestandort Baden-Württemberg
Für EnBW ist der Schritt strategisch konsequent. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren massiv in Offshore-Windparks investiert. Projekte in der Nord- und Ostsee zählen zu den Kerngeschäften der Zukunft. Auch Photovoltaik und Netzinfrastruktur spielen eine wachsende Rolle.
In Baden-Württemberg selbst spielt Braunkohle seit Jahrzehnten keine nennenswerte Rolle in der Stromerzeugung. Der Freistaat setzt traditionell auf Wasserkraft, Pumpspeicher und Atomkraft, die ebenfalls nicht mehr zum Portfolio gehört. Mit dem Braunkohleausstieg positioniert sich EnBW klar als Konzern der Energiewende.
Fazit
EnBW hat einen klaren Schnitt gemacht. Der Verkauf der Lippendorf-Anteile ist kein symbolischer Akt, sondern ein konkreter Portfolioumbau. Der Konzern aus Karlsruhe setzt seinen Kurs fort: weg von fossilen Kraftwerken, hin zu erneuerbaren Energien. Bis 2028 soll auch die Steinkohle Geschichte sein. Ob dieser Zeitplan hält, wird davon abhängen, wie schnell der Ausbau der erneuerbaren Kapazitäten gelingt.
