Baden-Württemberg könnte beim Windkraftausbau vollständig ausfallen. Das befürchten 22 Windpark-Projektierer aus dem Südwesten, die sich in einem gemeinsamen Forderungspapier an die Bundesregierung wenden. Auslöser ist die jüngste Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Diese war massiv überzeichnet. Projekte aus dem Südwesten gingen dabei leer aus.
Überzeichnete Ausschreibung als Knackpunkt
Das EEG regelt, wie neue Windkraftanlagen staatliche Förderung erhalten. Projektierer bewerben sich in regelmäßigen Ausschreibungsrunden um sogenannte Zuschläge. Wer keinen Zuschlag bekommt, erhält keine gesicherte Einspeisevergütung. Ohne diese Vergütung lassen sich Projekte kaum finanzieren.
Die jüngste Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur war deutlich überzeichnet. Das bedeutet: Es wurden mehr Megawatt angemeldet als Zuschläge vergeben wurden. Projekte aus dem Südwesten gingen dabei leer aus. Für die betroffenen Unternehmen bedeutet das einen faktischen Baustopp.
Die 22 Projektierer sehen im bestehenden Ausschreibungsmechanismus eine strukturelle Benachteiligung des Südens. Windkraftstandorte in Norddeutschland gelten als ertragreicher. Projekte dort erzielen im Wettbewerb günstigere Gebote. Projekte in Baden-Württemberg haben es dadurch schwerer, Zuschläge zu erhalten.
Bekannte Unternehmen unter den Unterzeichnern
Zu den Unterzeichnern des Forderungspapiers gehören Unternehmen mit regionalem Gewicht. Badenova, Ökostrom und EWS Schönau zählen dazu. Auch etliche weitere regionale Energieversorger und Projektierer haben unterzeichnet. Insgesamt 22 Unternehmen stehen hinter dem Appell.
EWS Schönau ist bundesweit bekannt als Pionier der Bürgerenergie. Badenova ist einer der größten Energieversorger im Raum Freiburg und Südbaden. Ihre gemeinsame Warnung hat deshalb besonderes Gewicht. Sie repräsentieren sowohl kommunale Strukturen als auch Bürgerenergieprojekte.
Forderungen an die Bundesregierung
Die Unternehmen fordern rasche Korrekturen am EEG-Ausschreibungssystem. Konkret verlangen sie eine stärkere regionale Differenzierung bei den Ausschreibungen. Der Süden Deutschlands soll nicht länger strukturell benachteiligt werden.
Ein möglicher Ansatz wäre die Einführung regionaler Ausschreibungsquoten. So könnten auch Standorte mit geringerer Windgeschwindigkeit wettbewerbsfähig bleiben. Ohne solche Anpassungen, so die Projektierer, droht der Windkraftausbau im Südwesten zum Stillstand zu kommen.
Das Bündnis macht auch auf die wirtschaftlichen Folgen aufmerksam. Geplante Projekte können nicht umgesetzt werden. Investitionen bleiben aus. Arbeitsplätze in der regionalen Windenergiebranche stehen auf dem Spiel.
Baden-Württemberg hinkt beim Ausbau ohnehin hinterher
Der Südwesten hat beim Windkraftausbau schon länger Nachholbedarf. Im Vergleich zu norddeutschen Bundesländern ist die installierte Leistung gering. Die Landesregierung hat sich jedoch ehrgeizige Ausbauziele gesetzt. Diese Ziele werden schwer erreichbar, wenn strukturelle Hürden auf Bundesebene bestehen bleiben.
Auch Bayern ist nach Angaben des Bündnisses betroffen. Die Projektierer sehen den Windenergie-Ausbau in beiden südlichen Bundesländern gleichermaßen gefährdet. Es geht also nicht nur um Baden-Württemberg allein.
Fazit
Der Appell der 22 Projektierer ist ein deutliches Signal. Der aktuelle EEG-Mechanismus benachteiligt Windkraftstandorte im Süden strukturell. Ohne Anpassungen auf Bundesebene droht der Windkraftausbau in Baden-Württemberg zum Erliegen zu kommen. Die Bundesregierung ist gefordert, rasch zu handeln. Für die regionale Energiewende steht viel auf dem Spiel.
