Hoffnung für Patient*innen im Frühstadium
Für Menschen, die an einer beginnenden Alzheimer-Krankheit leiden, gibt es ab sofort neue Hoffnung: Seit Anfang September 2025 steht am Universitätsklinikum Freiburg das Medikament Lecanemab zur Verfügung. Es ist die erste Therapie, die nicht nur die Symptome der Erkrankung lindert, sondern gezielt in den Krankheitsprozess eingreift. Damit eröffnet sich für Betroffene und Angehörige eine neue Perspektive: Die geistige Leistungsfähigkeit kann über Monate länger erhalten bleiben.
Alzheimer in Deutschland – eine wachsende Herausforderung
In Deutschland leben über 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz, zwei Drittel davon mit Alzheimer. Die Erkrankung ist eine der häufigsten neurodegenerativen Krankheiten und führt schleichend zum Verlust von Gedächtnis, Sprache und Alltagskompetenzen. Die Belastung für Patient*innen, Angehörige und das Gesundheitssystem ist enorm. „Mit der neuen Behandlung können wir den Verlauf der Krankheit messbar verlangsamen. Das gibt Betroffenen mehr Zeit, selbstbestimmt zu leben“, erklärt Prof. Dr. Jonas Hosp, Leitender Oberarzt an der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie in Freiburg.
Wie Lecanemab wirkt
Lecanemab zielt auf sogenannte Amyloid-Plaques ab – Eiweißablagerungen im Gehirn, die als zentrale Auslöser der Erkrankung gelten. Das Medikament unterstützt das Immunsystem dabei, diese Ablagerungen abzubauen, wodurch der Krankheitsverlauf verlangsamt wird. Klinische Studien zeigen, dass der Verlust kognitiver Fähigkeiten im Durchschnitt um rund 27 Prozent gebremst werden kann. „Es geht um Monate, in denen die Patient*innen weiterhin aktiv am Leben teilnehmen können“, betont Prof. Dr. Heinz Wiendl, Ärztlicher Direktor der Klinik.
Präzise Diagnose und engmaschige Betreuung
Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist eine frühe und präzise Diagnose. Am Universitätsklinikum Freiburg werden modernste Verfahren eingesetzt: Bildgebung des Gehirns und die Analyse von Biomarkern im Nervenwasser helfen, Alzheimer bereits in einem sehr frühen Stadium festzustellen. Lecanemab wird anschließend in einem ambulanten Setting alle zwei Wochen per Infusion verabreicht – über einen Zeitraum von rund 18 Monaten. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen begleiten die Therapie, um mögliche Nebenwirkungen wie entzündliche Reaktionen oder kleine Blutungen im Gehirn frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Kombination mit weiteren Therapieansätzen
Die neue medikamentöse Behandlung ist ein wichtiger Baustein, ersetzt aber nicht andere Therapieformen. Kognitives Training, soziale Aktivitäten und Bewegung bleiben entscheidend, um die Lebensqualität zu erhalten. „Wir setzen weiterhin auf einen ganzheitlichen Ansatz. Die Medikation ist ein wichtiger Schritt, aber sie entfaltet ihre volle Wirkung erst im Zusammenspiel mit geistiger und körperlicher Aktivität“, erklärt Hosp.
Forschung geht weiter
Die Einführung von Lecanemab ist nur der Anfang. Weltweit laufen zahlreiche Studien, um die Langzeiteffekte der Behandlung zu erforschen und mögliche Kombinationstherapien zu entwickeln. Das Universitätsklinikum Freiburg wird diese Forschung aktiv begleiten und Patient*innen frühzeitig den Zugang zu innovativen Behandlungsoptionen ermöglichen. Ziel ist es, die Alzheimer-Krankheit immer besser zu verstehen – und eines Tages vielleicht sogar aufzuhalten.
