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Schlechte Ernte, volle Tanks auf Pump: Die Lage der südbadischen Landwirte ist ernst. Dürre und stark gestiegene Dieselpreise treffen die Betriebe gleichzeitig. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV) spricht von einem Kipppunkt für viele Höfe in der Region.
Zwei Krisen überlagern sich
Der Sommer 2026 brachte vielen Betrieben in Südbaden zu wenig Wasser. Die Erntemengen sanken, die Qualität litt. Gleichzeitig kletterte der Dieselpreis auf Rekordhöhen. Für landwirtschaftliche Betriebe ist Diesel kein Luxus. Er treibt Traktoren, Erntemaschinen und Transportfahrzeuge an. Jeder Arbeitsgang auf dem Feld kostet mehr als noch vor wenigen Jahren.
Der BLHV machte am 22. September 2026 mit einem Pressegespräch vor dem Haus der Bauern auf die Situation aufmerksam. Der Verband forderte konkrete Entlastungsmaßnahmen. Die Vertreter bewerteten dabei auch den von der Bundesregierung angekündigten Tankrabatt. Die Reaktion fiel gespalten aus.
Tankrabatt: Hilfe mit Einschränkungen
Ab 1. Oktober soll der Tankrabatt greifen. Er sieht eine Ermäßigung von 17 Cent pro Liter vor. Für viele Landwirte reicht das nicht. Die Großhandelspreise für Diesel folgen eigenen Regeln. Subventionen an der Zapfsäule helfen Privatpersonen stärker als Betrieben mit großem Maschinenpark.
Bauernverbände haben bundesweit wiederholt darauf hingewiesen, dass der Preis für Agrardiesel separat betrachtet werden muss. Jeder Hektar, jede Futterlieferung, jeder Transport schlägt direkt auf die Betriebskosten durch. Eine Pauschalentlastung an der Tankstelle gleicht das nur teilweise aus.
Dürre trifft die Kasse, nicht nur das Feld
Die Ernteverluste durch Trockenheit verschärfen die Kostenlage. Weniger Ertrag bedeutet weniger Einnahmen. Die Fixkosten bleiben gleich. Pacht, Kredite, Versicherungen und Maschinen laufen weiter. Wer in einem Jahr wenig erntet und gleichzeitig mehr für Diesel zahlt, gerät schnell in Schieflage.
Die Landesregierung Baden-Württemberg hat nach dem Hitzesommer verstärkte Maßnahmen zur Dürrevorsorge angekündigt. Konkrete Projekte sollen die Wasserversorgung langfristig sichern. Kurzfristig hilft das den Betrieben nicht. Die Schäden des laufenden Jahres sind bereits entstanden.
Strukturelles Problem hinter der aktuellen Krise
Der Preisdruck ist kein neues Phänomen. Bauernpräsident Joachim Rukwied wies bereits in der Vergangenheit darauf hin, dass Produzenten oft weniger als ein Viertel der Ladenpreise erzielen. Der Großteil bleibt im Handel. Die aktuelle Kombination aus Klima- und Energiekrise verschärft diesen Strukturfehler.
Viele Betriebe in Südbaden sind familiengeführt. Sie haben wenig Spielraum für Verlustjahre. Wer keine Rücklagen hat, muss Kredit aufnehmen oder Flächen aufgeben. Beides schwächt die regionale Landwirtschaft auf Jahre hinaus.
Fazit
Die südbadische Landwirtschaft steht unter Druck von zwei Seiten. Dürrebedingte Ernteausfälle und hohe Dieselpreise treffen gleichzeitig. Der angekündigte Tankrabatt bringt Entlastung, löst das Problem aber nicht. Der BLHV fordert weitergehende Maßnahmen. Ohne strukturelle Hilfe drohen Betriebsaufgaben, die die Versorgungsbasis in der Region dauerhaft verändern.
