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Die deutsche Industrie hat im Juni mehr Aufträge erhalten als in den Monaten zuvor. Das Neugeschäft wuchs um 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Analysten hatten lediglich ein Plus von unter einem halben Prozent erwartet. Es ist bereits der zweite Auftragsanstieg in Folge.
Großaufträge als zentraler Treiber
Hinter dem starken Anstieg stecken vor allem Großaufträge. Bundeswehrbeschaffungen und öffentliche Infrastrukturprojekte haben zum Zuwachs beigetragen. Besonders der Maschinenbau profitierte davon. Siemens meldete im selben Zeitraum ein Rekordquartal. Ohne diese Sondereffekte wäre das Gesamtbild allerdings deutlich nüchterner.
Bedeutung für den Mittelstand in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg gehört zu den industriestärksten Regionen Deutschlands. Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Elektrotechnik prägen die Wirtschaftsstruktur des Landes. Viele mittelständische Betriebe sind als Zulieferer in übergeordnete Lieferketten eingebunden. Steigen die Auftragseingänge bei Großunternehmen, wirkt das schrittweise auch auf kleinere Betriebe zurück. Für den Mittelstand im Südwesten ist die Entwicklung daher ein positives Signal, wenn auch kein Grund zur Entwarnung.
Rüstung und Infrastruktur als neue Stützen
Die öffentliche Hand tritt als Auftraggeber stärker in Erscheinung als noch vor einigen Jahren. Bundeswehrbeschaffungen und Infrastrukturinvestitionen ersetzen teilweise die schwächelnde Nachfrage aus dem Ausland. Das verändert die Auftragsstruktur der deutschen Industrie. Unternehmen, die bislang stark exportorientiert waren, diversifizieren ihr Geschäft. Für Baden-Württemberg, das traditionell stark vom Export abhängt, ist das ein relevanter Strukturwandel.
Risiken bleiben bestehen
Trotz des positiven Signals gibt es keinen Anlass für überschwänglichen Optimismus. Die Steigerungsrate wird wesentlich durch Einzelaufträge getragen. Das Basisgeschäft ohne Großbestellungen ist schwächer. Geopolitische Unsicherheiten belasten den Welthandel. Handelsbarrieren und volatile Energiepreise drücken auf die Margen vieler Betriebe. Auch die Binnennachfrage in Deutschland zieht bislang nicht so an, wie es für eine breite Erholung notwendig wäre.
Zwei Anstiege in Folge: Noch kein Trend
Zwei aufeinanderfolgende Monatsstiege sind ein positives Zeichen, ein stabiler Aufschwung lässt sich daraus noch nicht ableiten. Ökonomen warnen davor, Sondereffekte mit einem strukturellen Aufschwung gleichzusetzen. Die Industrie bleibt anfällig für externe Schocks. Ob das Neugeschäft auch in den Folgewochen stabil bleibt, wird zeigen, wie tragfähig der Anstieg ist.
Fazit
Der Auftragsanstieg im Juni ist ein ermutigender Datenpunkt für die deutsche Industrie und damit auch für den Mittelstand in Baden-Württemberg. Das Plus von 3,1 Prozent übertrifft die Erwartungen deutlich, wird aber vor allem durch Großaufträge im Rüstungs- und Infrastrukturbereich getragen. Für eine verlässliche Einschätzung der Lage braucht es weitere Monate mit stabilen Zahlen.
