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Baden-Württemberg bewegt sich beim Klimaschutz in die falsche Richtung. Die Treibhausgasemissionen im Land sind 2025 um 4,4 Prozent gestiegen. Das geht aus Berechnungen hervor, die Statistiker für den Südwesten vorgelegt haben. Damit steht das Land schlechter da als der Bundestrend.
Kohlestrom und Heizenergie als Haupttreiber
Zwei Faktoren dominieren den Anstieg: mehr Kohlestromverbrauch und ein höherer Heizenergiebedarf. Beide Entwicklungen hängen eng mit dem Witterungsverlauf und der Energieversorgungslage zusammen.
Bundesweit sieht die Bilanz anders aus. In Deutschland sanken die Gesamtemissionen 2025 um rund 9 Millionen Tonnen auf 640 Millionen Tonnen CO₂. Baden-Württemberg läuft damit dem nationalen Trend entgegen.
Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg bundesweit auf 55,3 Prozent. Für Baden-Württemberg weisen die vorliegenden Zahlen einen anderen Pfad aus. Bereits 2024 war der Primärenergieverbrauch im Südwesten um knapp drei Prozent zurückgegangen. Dieser Rückgang konnte den neuerlichen Anstieg nicht kompensieren.
Klimaziele geraten unter Druck
Baden-Württemberg hat sich verbindliche Klimaziele gesetzt. Ein Emissionsanstieg von 4,4 Prozent macht deren Erreichung schwieriger. Die Lücke zwischen Ziel und Realität wächst.
Der Industriestandort Südwesten steckt ohnehin in einer Schwächephase. Die Beschäftigung in der Industrie ging 2025 um 2,4 Prozent zurück. Unternehmen wie Mercedes-Benz, Bosch, ZF und Mahle haben Sparprogramme aufgelegt. Weniger Produktion hätte eigentlich auch weniger Emissionen bedeuten können. Dass die Emissionen trotzdem stiegen, zeigt, dass die Ursachen woanders liegen.
Energiemix als Schwachstelle
Der gestiegene Kohlestromanteil ist ein strukturelles Problem. Er zeigt, dass der Wechsel zu sauberen Energiequellen im Stromsystem noch nicht weit genug vorangeschritten ist. Wenn erneuerbare Kapazitäten fehlen oder nicht ausreichen, springt Kohlestrom ein.
Dieser Effekt ist nicht auf Baden-Württemberg beschränkt. Doch im Südwesten trifft er auf ein Land, das sich ambitionierte Klimaziele gesetzt hat und nun erklären muss, warum die Emissionen steigen.
Landwirtschaft unter Druck
Auch die Landwirtschaft ist relevant. Bundesweit entfallen 8,2 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen auf den Agrarsektor. Methan aus der Tierhaltung und Lachgas aus Böden sind die wesentlichen Quellen.
In Baden-Württemberg kämpft die Landwirtschaft derzeit mit Futterknappheit. Bauern sind gezwungen, Tiere früher zu schlachten. Kurzfristig verringert das die Tierhaltung, zeigt aber zugleich, wie eng Klimaveränderungen und wirtschaftlicher Druck auf den Höfen zusammenhängen.
Was die Zahlen für die Wirtschaft bedeuten
Für Unternehmen in Baden-Württemberg sind steigende Emissionszahlen kein abstraktes Problem. CO₂-Bepreisung und Regulierung werden enger. Wer mehr ausstößt, zahlt mehr. Für den energieintensiven Mittelstand im Südwesten kann das die Kostenlage verschärfen.
Die IHK Baden-Württemberg verfolgt die Entwicklung. Ein wettbewerbsfähiger Standort braucht verlässliche und bezahlbare Energie. Steigende Emissionen zeigen, dass der Energiemix noch nicht optimal aufgestellt ist.
Fazit
Der Anstieg der Treibhausgasemissionen um 4,4 Prozent ist ein Warnsignal für Baden-Württemberg. Mehr Kohlestrom und höherer Heizenergiebedarf sind die konkreten Ursachen. Das Land muss seinen Energiemix schneller umbauen, wenn es seine Klimaziele noch erreichen will. Andernfalls drohen auch handfeste wirtschaftliche Nachteile für Unternehmen im Südwesten.
