Baden-Württemberg galt jahrzehntelang als wirtschaftliches Vorzeigeland. Doch die Landtagswahl am 8. März 2026 fand unter anderen Vorzeichen statt. Die Deindustrialisierung war das beherrschende Thema im Wahlkampf. Besonders die Automobilindustrie steht unter Druck. Das spürten CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel und Grünen-Herausforderer Cem Özdemir gleichermaßen.
Automobilindustrie unter Druck
Der Südwesten ist eng mit der Automobilindustrie verknüpft. Große Hersteller und tausende Zulieferer haben hier ihre Heimat. Diese Abhängigkeit wird zur Last. Die Branche kämpft mit dem Strukturwandel hin zur Elektromobilität, mit globaler Konkurrenz und schwacher Nachfrage.
Die Angst vor dem Abstieg ist in vielen Betrieben spürbar. Werke werden verkleinert, Stellen gestrichen. Was früher Stärke war, erscheint heute als Risiko. Das Selbstverständnis des Landes steht zur Debatte.
Andere Branchen zeigen sich stabiler. Der Maschinenbau, die Medizintechnik und die Chemie machen Hoffnung. Doch sie können den Rückgang in der Autoindustrie nicht vollständig ausgleichen. Die Wirtschaftslage bleibt angespannt.
Wahlkampf ohne klare Antworten
Beide Spitzenkandidaten wussten um die Schwere der Lage. Und beide hatten dasselbe Problem: Die Handlungsspielräume eines Landes sind begrenzt. Wirtschaftspolitik wird zu großen Teilen in Berlin und Brüssel gemacht. Ohne Rückenwind von dort bleibt auch Stuttgart weitgehend machtlos.
CDU-Kandidat Hagel setzte auf Standortpolitik, Bürokratieabbau und niedrigere Energiekosten. Özdemir von den Grünen warb für Transformation und Investitionen in neue Technologien. Beide Konzepte klangen plausibel. Konkreter Weitblick fehlte jedoch weitgehend.
Die Wirtschaftskrise lähmte den Wahlkampf auf eine eigentümliche Weise. Beide Kandidaten wollten Aufbruch signalisieren. Beide wussten, dass ein weiterer wirtschaftlicher Niedergang ihre künftigen Spielräume massiv einengen würde.
Schweiz als Vorbild, AfD als Warnung
Im Wahlkampf kursierte ein Vergleich: die Schweiz als wirtschaftlich erfolgreiches Nachbarland. Manche Politiker zogen sie als leuchtendes Beispiel heran. Niedrige Steuern, schlanker Staat, starke Industrie. Ob dieses Modell auf Baden-Württemberg übertragbar ist, blieb offen.
Neben CDU und Grünen spielte auch die AfD eine Rolle. Sie profitierte von der Krisenstimmung. Ein Teil der Wählerschaft, die sich wirtschaftlich abgehängt fühlt, wandte sich ihr zu. Das veränderte die politische Konstellation im Land.
Strukturwandel braucht langen Atem
Die eigentliche Herausforderung liegt hinter der Wahl. Baden-Württemberg muss seinen industriellen Kern neu ausrichten. Das gelingt nicht in einer Legislaturperiode. Es braucht Investitionen in Forschung, Infrastruktur und Fachkräfte.
Ansätze gibt es. Universitäten und Forschungsinstitute im Land genießen internationale Anerkennung. Startups und Technologieunternehmen siedeln sich an. Die Grundlagen für einen Wandel sind vorhanden. Doch der Übergang ist schmerzhaft.
Viele Beschäftigte in der Automobilindustrie und bei Zulieferern spüren die Unsicherheit direkt. Für sie ist der Strukturwandel keine abstrakte Debatte. Er betrifft Arbeitsplätze, Einkommen und Lebensplanung.
Fazit
Die Landtagswahl 2026 war ein Stimmungstest für ein Land im Umbruch. Die Wirtschaftskrise hat die politische Stimmung geprägt. CDU und Grüne haben keine überzeugenden Patentrezepte geliefert. Das liegt auch daran, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Die neue Landesregierung wird wirtschaftlichen Gegenwind spüren. Entscheidend wird sein, wie sie mit begrenzten Mitteln maximale Wirkung entfaltet. Baden-Württemberg hat die Substanz für einen Neustart. Ob der gelingt, hängt von Weitsicht und politischem Mut ab.
