Am 8. März 2026 wählte Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 Prozent. Eines der meistdiskutierten Themen im Wahlkampf war die Energiepolitik. Die Parteien traten mit klar unterschiedlichen Vorstellungen an.
CDU will Erneuerbare-Wärmegesetz abschaffen
Die CDU war in Umfragen vor der Wahl die stärkste Kraft in Baden-Württemberg. Im Bereich Energie formulierte sie ein klares Ziel: Das Erneuerbare-Wärmegesetz des Landes soll abgeschafft werden. Dieses Gesetz verpflichtet Eigentümer bei der Heizungssanierung zur Nutzung erneuerbarer Energien. Die CDU sieht darin eine Belastung für Haushalte und Unternehmen.
Bei der Kernenergie hielten sich die Konservativen dagegen zurück. Konkrete Forderungen nach einem Wiedereinstieg fehlten im Wahlprogramm. Die Partei vermied damit ein Thema, das bundesweit für Debatten sorgt.
Grüne setzen klare Signale bei Gasnetzen
Die Grünen positionierten sich im Wahlkampf klar zur Zukunft der Gasinfrastruktur. Sie sprachen sich dafür aus, den Rückbau nicht mehr benötigter Gasnetze aktiv zu gestalten. Gleichzeitig betonten sie den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik als Kernelemente ihrer Energiepolitik.
Bürgerenergie spielte im grünen Wahlprogramm ebenfalls eine Rolle. Kommunen und Bürger sollen stärker an der Energieerzeugung beteiligt werden. Kreislaufwirtschaft und GreenTech nannten die Grünen als wirtschaftliche Chancen für das Land.
Energiepolitik als Wirtschaftsfaktor
Für die Industrie in Baden-Württemberg hat die Energiepolitik unmittelbare Bedeutung. Das Land ist ein industrieller Kernstandort Deutschlands. Automobilzulieferer, Maschinenbauer und Mittelständler sind auf bezahlbare und verlässliche Energie angewiesen.
Das Erneuerbare-Wärmegesetz betrifft in der Praxis nicht nur Privathaushalte. Auch Gewerbeimmobilien und kleinere Unternehmen sind von Sanierungspflichten betroffen. Eine Abschaffung würde kurzfristig Kosten senken. Langfristige Investitionssicherheit für grüne Technologien könnte dabei jedoch leiden.
Gasnetze: Umbau oder Abschaltung?
Die Frage der Gasnetze ist für viele Kommunen in Baden-Württemberg existenziell. Stadtwerke betreiben Leitungsinfrastruktur, deren künftige Nutzung ungeklärt ist. Die Grünen wollen hier Planungssicherheit schaffen. Offen blieb im Wahlkampf, wie der Umbau konkret finanziert werden soll.
Andere Parteien thematisierten die Gasnetzfrage weniger prominent. Das Thema bleibt damit auch nach der Wahl politisch ungelöst. Kommunale Versorger fordern seit Jahren klare Rahmenbedingungen vom Land.
Neues Wahlrecht erstmals angewendet
Die Wahl am 8. März 2026 war auch aus formalen Gründen ein besonderes Ereignis. Erstmals galt ein neues Wahlrecht in Baden-Württemberg. Neben der Erststimme konnten Wähler nun auch eine Zweitstimme für Landeslisten abgeben. Das System orientiert sich am Bundestagswahlrecht.
Fazit: Energiepolitik bleibt Zankapfel
Die Landtagswahl 2026 hat gezeigt: Energiepolitik ist in Baden-Württemberg kein Randthema. CDU und Grüne vertreten grundlegend verschiedene Ansätze. Ob beim Heizungsgesetz, bei Gasnetzen oder beim Ausbau erneuerbarer Energien, die Positionen liegen weit auseinander. Für Unternehmen und Kommunen im Land bedeutet das: Planungssicherheit hängt stark vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen ab. Die Weichen für die Energiezukunft Baden-Württembergs werden in den kommenden Monaten gestellt.
