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Bosch macht Druck auf das Arbeitszeitmodell der deutschen Industrie. Der Stuttgarter Technologiekonzern signalisiert Unterstützung für eine Abkehr von der 35-Stunden-Woche. Finanzchef Markus Forschner hält Einsparungen bei den Personalkosten für zwingend notwendig. Hintergrund ist die anhaltend schwache Nachfrage in der Automobilbranche.
Kostendruck zwingt zum Handeln
Bosch gehört zu den größten Automobilzulieferern weltweit. Der Konzern mit Sitz in Gerlingen bei Stuttgart spürt die Krise der Branche direkt. Die Autonachfrage bleibt schwach, während die Produktionskosten in Deutschland steigen. Finanzchef Forschner sieht bei den Personalkosten konkreten Handlungsbedarf.
Die 35-Stunden-Woche wurde in den 1990er Jahren in der Metallindustrie durchgesetzt. Sie gilt als eine der härtesten Errungenschaften der IG Metall. Nun stellen immer mehr Konzerne dieses Modell in Frage.
Breite Front der Arbeitgeber
Bosch steht mit dieser Position nicht allein. Mercedes-Benz fordert laut Berichten eine Rückkehr zur 38-Stunden-Woche, ebenfalls ohne Lohnausgleich. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research plädiert sogar für die 40-Stunden-Woche, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu sichern.
Auch Ökonomen schalten sich ein. IW-Direktor Michael Hüther brachte bereits eine 42-Stunden-Woche ins Gespräch. Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht die hohen Arbeitskosten als strukturelles Problem. Ohne Anpassung drohe weiterer Produktionsverlust ins Ausland.
Gewerkschaft lehnt ab
Die IG Metall stellt sich klar gegen diese Forderungen. Die Gewerkschaft will die 35-Stunden-Woche verteidigen und lehnt mehr Arbeit für gleichen Lohn grundsätzlich ab. Für den Herbst 2026 drohen Tarifkonflikte. Die Fronten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft sind verhärtet.
Strukturproblem Standort Deutschland
Hinter der Debatte steckt ein tieferes Problem. Die deutsche Automobilindustrie verliert Marktanteile. Chinesische Hersteller drängen mit günstigeren Fahrzeugen auf den Markt, während die Elektromobilitätswende stockt. Die Produktion wird schrittweise ins Ausland verlagert.
Baden-Württemberg ist von dieser Entwicklung besonders betroffen. Bosch, Mercedes-Benz und zahlreiche Zulieferer haben hier ihre Zentrale. Längere Arbeitszeiten ohne Lohnerhöhung wären für die Unternehmen eine Möglichkeit, Kosten zu senken, ohne Stellen abzubauen.
Kein einfacher Kompromiss in Sicht
Die Positionen liegen weit auseinander. Arbeitgeber rechnen vor, dass eine höhere Stundenzahl die Stückkosten senkt. Gewerkschafter sehen darin einen Angriff auf erkämpfte Sozialstandards. Ein schneller Kompromiss ist nicht zu erwarten.
Ausblick
Bosch stellt sich als einer der größten Industriekonzerne des Landes offen hinter eine Verlängerung der Arbeitszeit. Das dürfte die bevorstehenden Tarifrunden belasten. Für Baden-Württemberg als Kernland der deutschen Automobilindustrie steht dabei viel auf dem Spiel.
