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Beim Automobilzulieferer Bosch brodelt es. Betriebsratschef Frank Sell beschreibt die Lage der Beschäftigten in Gerlingen und an weiteren Standorten als hochgradig angespannt. Der Grund: massiver Stellenabbau und eine ungewisse Perspektive für die deutsche Autozuliefererbranche.
Belegschaft am Limit
Frank Sell, Betriebsratsvorsitzender bei Bosch, formuliert es unverblümt. In der Belegschaft herrsche eine Stimmung voller Wut und Frust. Ursache sind der laufende Arbeitsplatzabbau und die offene Frage, wie es mit der deutschen Auto- und Zulieferindustrie langfristig weitergeht.
Für die Region Stuttgart ist die Entwicklung besonders gravierend. Bosch gehört zu den größten privaten Arbeitgebern Baden-Württembergs. Direkt und indirekt hängen in der Region Zehntausende Arbeitsplätze an dem Unternehmen. Jeder Stellenabbau bei Bosch hat deshalb weitreichende Folgen für den gesamten Wirtschaftsraum.
Betriebsrat zieht die Politik in die Verantwortung
Sell macht nicht nur das Unternehmen für die Lage verantwortlich. Er richtet klare Forderungen an die Politik, auf nationaler wie auf europäischer Ebene. Der Betriebsrat verlangt eine rasche Umsetzung des geplanten EU-Industriegesetzes, des sogenannten Industrial Accelerator Act.
Der Betriebsrat fordert außerdem die Einrichtung einer nationalen Task Force. Diese Gruppe soll die deutsche Autoindustrie gezielt stützen und den Strukturwandel begleiten. Ohne politische Flankierung drohen weitere Einschnitte, so die Botschaft aus Gerlingen.
Strukturwandel trifft den Kern Baden-Württembergs
Bosch steht mit seinen Problemen nicht allein. Die gesamte Autozuliefererbranche in Baden-Württemberg ist im Umbruch. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs, schwächelnde Absatzmärkte und internationaler Wettbewerb setzen die Unternehmen unter Druck.
Bosch hat in der Sparte Mobility, also im Bereich der Fahrzeugtechnik, bereits Stellenstreichungen angekündigt und umgesetzt. Der Konzern mit Sitz in Gerlingen beschäftigt weltweit mehrere hunderttausend Mitarbeiter, ein erheblicher Teil davon in Deutschland und viele in Baden-Württemberg.
Sorge um die europäische Industrie
Sell richtet seinen Blick auch über Deutschland hinaus. Die Sorge gilt der Zukunft der gesamten europäischen Auto- und Zuliefererindustrie. Ohne entschlossenes Handeln auf EU-Ebene drohe Europa im globalen Wettbewerb weiter zurückzufallen, so die Einschätzung aus dem Betriebsrat.
Der Industrial Accelerator Act soll europäischen Industrieunternehmen bessere Rahmenbedingungen verschaffen. Das Gesetz befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. Die Arbeitnehmervertreter bei Bosch dringen auf Tempo.
Fazit
Die Lage bei Bosch steht stellvertretend für eine branchenweite Krise. Der Betriebsrat sendet ein deutliches Signal: Ohne politische Unterstützung auf nationaler und europäischer Ebene bleibt die Unsicherheit für die Beschäftigten bestehen. Für Baden-Württemberg, wo die Autozuliefererindustrie zu den tragenden Wirtschaftssäulen zählt, steht bei dieser Debatte besonders viel auf dem Spiel.
