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Das Land Baden-Württemberg setzt auf Biomüll als Energiequelle. Bis 2030 sollen mehr Bioabfälle getrennt gesammelt und durch Vergärung zu Biogas verarbeitet werden. Rechnerisch könnten damit 275.000 Menschen mit Strom und Wärme versorgt werden. Das teilte das Umweltministerium in Stuttgart mit.
Vergärungsquote soll deutlich steigen
Derzeit liegt die sogenannte Vergärungsquote im Land bei 67 Prozent. Das bedeutet: Nur zwei Drittel der gesammelten Bioabfälle werden vergoren und damit energetisch genutzt. Das restliche Drittel wird kompostiert, ohne Energie zu erzeugen.
Das Land will diese Quote auf 100 Prozent anheben. Bioabfälle sollen künftig ausschließlich vergoren werden. Das langfristige Ziel ist eine Versorgung von bis zu 400.000 Menschen mit Energie aus Bioabfall.
Derzeit können im Land 230.000 Menschen mit Strom und Wärme aus Bioabfall versorgt werden. Mit der geplanten Ausweitung soll diese Zahl zunächst auf 275.000 steigen, auf dem Weg zur 400.000-Marke.
Biogas als Teil der Energiewende
Baden-Württemberg und Bayern sind gemeinsam ein Schwergewicht bei der Biogasproduktion. Über 3.700 Biogasanlagen stehen in beiden Bundesländern zusammen und erzeugen fast 40 Prozent des gesamten deutschen Biogasaufkommens.
Das Land sieht Bioenergieanlagen als wichtigen Baustein für die Versorgungssicherheit. Anders als Solar- oder Windenergie liefern Biogasanlagen grundlastfähige Energie, unabhängig von Wetter und Tageszeit.
Das Umweltministerium verweist auf einen Doppelnutzen: Bioabfall wird aus dem Abfallstrom herausgelöst und gleichzeitig energetisch verwertet. Das entlastet die Deponien und reduziert Treibhausgasemissionen.
Gesamtabfallmenge sinkt um neun Prozent
Die kommunalen Abfallentsorger in Baden-Württemberg haben im Jahr 2025 insgesamt rund 7,69 Millionen Tonnen Abfall beseitigt. Das sind knapp 0,8 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von neun Prozent.
Hauptgrund ist der Rückgang bei Baumassenabfällen. Deren Menge sank von 2024 auf 2025 um 22 Prozent. Das Umweltministerium in Stuttgart nannte dies als wesentlichen Faktor für den Gesamtrückgang.
Beim Bioabfall verläuft die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Die Biogaserzeugung aus Bioabfällen ist gestiegen. Das Land will diesen Trend gezielt verstärken.
Kommunen gefordert, Infrastruktur auszubauen
Die Umsetzung der Pläne liegt zu einem großen Teil bei den Kommunen und Landkreisen. Sie müssen die Getrenntsammlung von Bioabfall sicherstellen und die nötige Infrastruktur bereitstellen.
Einzelne Landkreise gehen bereits eigene Wege. In einigen Regionen fallen jährlich rund 10.000 Tonnen Biomüll an, die bislang teils aufwendig transportiert wurden. Ziel ist eine möglichst ortsnahe Verarbeitung.
Das Land will die Kommunen dabei unterstützen, bestehende Vergärungsanlagen besser auszulasten und neue Kapazitäten zu schaffen. Konkrete Förderprogramme sollen die Investitionen erleichtern.
