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Der Maschinenbauer Trumpf läuft gut. Das ist die gute Nachricht, die Peter Leibinger beim Unternehmertag Baden-Württemberg in Stuttgart mitbringt. Die schlechte Nachricht wiegt schwerer. Aus Gesprächen mit Kunden, Banken und Wirtschaftsprüfern weiß der BDI-Präsident: Viele kleine mittelständische Unternehmen stehen am Abgrund.
Erstmals als BDI-Präsident in Stuttgart
Leibinger ist gebürtiger Stuttgarter. Den Unternehmertag Baden-Württemberg kennt er gut. Diesmal aber hat sein Auftritt eine neue Qualität. Seit Anfang 2024 ist der Trumpf-Aufsichtsratschef auch Präsident des Bundesverbandes der Industrie. Er spricht also nicht nur als Vertreter eines Familienunternehmens, sondern für die gesamte deutsche Industrie.
Und die steckt in ernsthafter Not. Die Industrieproduktion in Deutschland schrumpft voraussichtlich zum vierten Mal in Folge. Leibinger hatte die Lage bereits Ende 2025 als tiefste Krise seit Bestehen der Bundesrepublik bezeichnet. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert.
Kritik an Politik und Verwaltung
Leibinger spart nicht mit klaren Worten. Der Politik wirft er mangelnde Kompetenz vor, der Verwaltung Bequemlichkeit. Beides zusammen bremse Unternehmen aus, die ohnehin unter Druck stehen.
Baden-Württemberg trifft das besonders hart. Das Bundesland galt lange als Musterbeispiel für funktionierenden Mittelstand. Heute steht es vor strukturellen Problemen. Absatzrückgänge, Strategiewechsel und Milliardenlöcher setzen Traditionsunternehmen zu. Wirtschaftlich ist Baden-Württemberg hinter andere Bundesländer zurückgefallen.
Mittelstand verliert Vertrauen
Das Vertrauen vieler Unternehmer in eine baldige Besserung ist erschüttert. Das zeigen Umfragen aus dem vergangenen Jahr. Wegen der schlechten Wirtschaftslage wollen Mittelständler weniger investieren und fordern eine umfassende Reformpolitik. Bisher warten viele vergeblich darauf.
Leibinger weiß aus direkten Gesprächen, wie ernst die Lage ist. Banken und Wirtschaftsprüfer berichten ihm, was in den Bilanzen steht. Viele Betriebe kämpfen ums Überleben. Einige werden diesen Kampf verlieren.
Trumpf als Ausnahme, nicht als Regel
Der Ditzinger Maschinenbauer Trumpf steht vergleichsweise stabil da. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Lasertechnologie und Werkzeugmaschinen. Leibinger ist froh darüber, weiß aber auch: Trumpf ist kein Maßstab für den Durchschnitt.
Kleinere Zulieferer und Produzenten haben nicht die gleichen Ressourcen. Sie können Krisen schlechter abfedern und haben weniger Spielraum bei Preisen, Personal und Investitionen. Genau diese Betriebe bereiten Leibinger Sorgen.
Standort Deutschland unter Druck
Die Probleme sind strukturell. Hohe Energiepreise, bürokratische Hürden und fehlende Fachkräfte belasten Unternehmen seit Jahren. Hinzu kommen schwächelnde Absatzmärkte in China und Europa. Den exportstarken Mittelstand in Baden-Württemberg trifft das besonders.
Leibinger fordert deshalb konkrete Reformen: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und eine kompetentere Wirtschaftspolitik. Das sind keine neuen Forderungen, aber sie sind dringlicher geworden.
Strukturwandel ohne Auffangnetz
Beim Unternehmertag hat Leibinger eine klare Botschaft hinterlassen: Der Mittelstand in Baden-Württemberg und Deutschland braucht politische Unterstützung, keine Lippenbekenntnisse. Wer die Zahlen kennt, die Leibinger aus seinen Gesprächen kennt, weiß: Die Zeit drängt. Für manche Betriebe könnte sie bereits abgelaufen sein.
