Rund 100 Tage nach der Eröffnung zieht BASF eine überraschend positive Bilanz für seinen neuen Standort in China. Finanzvorstand Dirk Elvermann sprach von einer spektakulären Entwicklung des Werks in Zhanjiang. Der Konzern hatte 8,7 Milliarden Euro in den Verbundstandort investiert. Das Stammwerk in Ludwigshafen bleibt derweil ein Problemfall.
Zhanjiang: Früher profitabel als geplant
BASF hatte das Werk in Zhanjiang am 26. März 2026 in Betrieb genommen. Rund 2.000 Mitarbeiter arbeiten dort. Im ersten Betriebsjahr hatte der Konzern noch mit Verlusten gerechnet. Der Standort verzeichnete bereits fast zwei profitable Monate seit der Eröffnung.
Für einen Chemieverbundstandort dieser Größe ist das ungewöhnlich schnell. Solche Anlagen brauchen in der Regel lange Anlaufzeiten, die Produktionskapazitäten müssen schrittweise hochgefahren werden. Elvermann bezeichnete die Entwicklung als positiv und den Standort als Hoffnungsträger für den Konzern.
Zhanjiang liegt in der südchinesischen Provinz Guangdong. BASF hat dort auf einer Fläche von mehreren Quadratkilometern einen integrierten Chemieverbund aufgebaut. Das Werk soll vor allem den wachsenden Chemiebedarf der asiatischen Märkte decken. China ist der weltgrößte Chemiemarkt.
Ludwigshafen: Defizitär und unter Druck
Das Stammwerk in Ludwigshafen schreibt Verluste. Der Konzern hat dort bereits Stellenabbau und Kostensenkungen angekündigt. Elvermann sprach mit Blick auf Ludwigshafen von einem notwendigen Kulturwandel.
Was genau damit gemeint ist, ließ der Finanzvorstand offen. Die Kostenstruktur am deutschen Standort gilt als zu hoch. Energiepreise, Bürokratie und Lohnkosten belasten die Wettbewerbsfähigkeit. BASF hatte bereits in den vergangenen Jahren Werksschließungen und den Abbau von tausenden Stellen in Ludwigshafen angekündigt.
Strukturwandel in der deutschen Chemie
Die Situation bei BASF steht stellvertretend für einen breiteren Trend. Die deutsche Chemieindustrie verliert gegenüber asiatischen Wettbewerbern an Boden. Die Produktionskosten in Deutschland sind im internationalen Vergleich hoch, während die Nachfrage nach Chemikalien vor allem in Asien wächst.
Viele große Konzerne verlagern deshalb Investitionen in Wachstumsmärkte. BASF folgt dieser Logik mit dem Zhanjiang-Projekt konsequent. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren Milliarden in den Aufbau des chinesischen Standorts gesteckt. Das Geld fehlte für Investitionen in Ludwigshafen.
Zwei Werke, zwei Welten
Für BASF ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: auf der einen Seite ein neues Werk in China mit wachsendem Marktpotenzial, auf der anderen ein historisch gewachsener Verbundstandort in Deutschland mit strukturellen Problemen.
In Ludwigshafen beschäftigt BASF noch deutlich mehr Menschen als in Zhanjiang. Das Stammwerk ist der größte zusammenhängende Chemiestandort der Welt. Doch sein Gewicht für den Konzern verschiebt sich. Der Druck auf Mitarbeiter und Management, Kosten zu senken und Strukturen zu verändern, bleibt hoch.
Elvermann machte deutlich, dass der Konzern beide Wege gleichzeitig gehen will: Wachstum in China und Sanierung in Ludwigshafen. Ob das gelingt, hängt auch von externen Faktoren ab. Dazu zählen die Entwicklung der Energiepreise in Deutschland, die Konjunktur in China und die globale Nachfrage nach Chemikalien.
Fazit
Das Werk in Zhanjiang entwickelt sich für BASF früher als erwartet profitabel. Die Herausforderungen in Ludwigshafen bleiben davon unberührt. Der geforderte Kulturwandel am Stammwerk wird Zeit brauchen. BASF steht vor der Aufgabe, einen globalen Aufbruch und einen deutschen Umbau gleichzeitig zu managen.
