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Zwei Kammern, zwei Richtungen: Der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg sendet zum Ausbildungsstart 2026 widersprüchliche Signale. Das Handwerk meldet wachsende Bewerberzahlen und mehr abgeschlossene Verträge. Die IHK verzeichnet ein Minus. Die Schere zwischen den Sektoren öffnet sich weiter.
Handwerk gewinnt, IHK verliert Boden
Die Handwerkskammern in der Region verbuchen zum aktuellen Ausbildungsstart Zuwächse bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen. Betriebe aus dem Bau-, Elektro- und Sanitärbereich gehören zu den Gewinnern. Die Nachfrage nach Fachkräften ist dort groß, was sich auch in der Ausbildungsbereitschaft widerspiegelt.
Bei der IHK sieht es anders aus. Industrie, Handel und Dienstleistungssektor melden weniger neue Ausbildungsverträge als im Vorjahr. Der Rückgang betrifft mehrere Branchen gleichzeitig. Besonders Handel und klassische Büroberufe spüren sinkende Bewerberzahlen.
Bewerbermarkt bleibt bestimmend
Der Ausbildungsmarkt ist ein Bewerbermarkt. Schulabgänger haben die Wahl zwischen vielen offenen Stellen. Viele Betriebe finden schlicht keine geeigneten Kandidaten. Das gilt in der Region rund um Freiburg und Offenburg ebenso wie in anderen Teilen des Landes.
Die IHK Bodensee-Oberschwaben hatte bereits in einer Befragung festgestellt: 67 Prozent der Betriebe wollen ihr Ausbildungsangebot halten oder ausbauen. Die Bereitschaft ist da. Die Bewerber fehlen trotzdem.
Strukturwandel verschärft die Lage
Der Rückgang bei IHK-Berufen hat mehrere Ursachen. Der Strukturwandel in der Industrie gehört dazu. Viele junge Menschen ziehen ein Studium einer Ausbildung vor. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und Automatisierung das Berufsbild in kaufmännischen Berufen, was Schulabgänger und ihre Eltern verunsichert.
Thomas Bürkle, Vizepräsident der Unternehmer Baden-Württemberg, hatte diese Verunsicherung früh beschrieben. Er sprach von einem spürbaren Bewerbermangel, der sich durch alle Branchen zieht. Daran hat sich grundsätzlich wenig geändert.
Offene Stellen trotz sinkender Verträge
Trotz rückläufiger Vertragszahlen bei der IHK bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Betriebe melden offene Stellen bis weit in den Herbst hinein. Wer jetzt noch eine Lehrstelle sucht, hat gute Chancen. Die Kammern vermitteln aktiv zwischen Betrieb und Bewerber.
Im Handwerk kommen auf eine offene Stelle weniger Kandidaten als noch vor einigen Jahren. Der Zuwachs bei den Verträgen ist deshalb auch das Ergebnis gezielter Werbekampagnen. Handwerksbetriebe haben in den vergangenen Jahren verstärkt in Schulkooperationen und Berufsorientierung investiert.
Kammern reagieren mit gemeinsamen Initiativen
IHK und Handwerkskammern arbeiten enger zusammen. Gemeinsame Ausbildungsmessen, digitale Plattformen und Betriebspraktika sollen mehr Jugendliche für eine Berufsausbildung gewinnen. Der Wettbewerb um Bewerber zwischen Handwerk und IHK-Berufen ist dabei Nebensache. Wichtiger ist, dass Schulabgänger überhaupt den Weg in die Ausbildung finden.
Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist hoch. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Der Nachwuchs bleibt knapp.
Gespaltener Markt, offene Fragen
Der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg teilt sich in zwei Welten. Das Handwerk wächst, die IHK kämpft gegen ein Minus. Beide Seiten stehen vor derselben Grundfrage: Wie gewinnt man junge Menschen für eine Berufsausbildung? Wer jetzt ausbildet, sichert sich künftig Fachkräfte.
