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Der Ausbildungsmarkt in Baden-Württemberg sendet widersprüchliche Signale. Die Zahl der Bewerber steigt. Gleichzeitig sinkt die Zahl der angebotenen Lehrstellen. Und trotzdem finden Unternehmen für viele Plätze keinen geeigneten Nachwuchs. Dieser Widerspruch zeigt sich auch zum Start des Ausbildungsjahres 2026.
Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen
Auf 100 angebotene Ausbildungsplätze kommen deutschlandweit rund 106 Bewerber. Das klingt nach einem Bewerberüberschuss. Doch die Realität ist komplizierter. Viele Jugendliche bewerben sich auf bestimmte Berufe. Andere Branchen und Regionen finden dagegen kaum Interessenten.
Das Ergebnis: Tausende Bewerber bleiben ohne Ausbildungsvertrag, während Betriebe offene Stellen nicht besetzen können. Ende August waren allein in einer einzelnen deutschen Großstadt noch rund 900 Bewerber ohne Vertrag und über 700 Stellen ohne Azubi.
Für Baden-Württemberg zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die IHK Baden-Württemberg weist darauf hin, dass Betriebe trotz rückläufiger Stellenzahlen Schwierigkeiten haben, passende Kandidaten zu finden. Vor allem technische und handwerkliche Berufe bleiben unterversorgt.
Weniger Stellen als noch vor zwei Jahren
Vor zwei Jahren überwog in vielen Regionen noch der Fachkräftemangel auf Unternehmensseite. Betriebe warben aktiv um jeden Bewerber. Dieser Vorteil auf Seiten der Jugendlichen schwindet.
Rund 500 Ausbildungsstellen weniger als im Vorjahr wurden in der Region zum neuen Ausbildungsjahr gemeldet. Konjunkturelle Unsicherheiten bremsen die Bereitschaft der Unternehmen, neue Ausbildungsverhältnisse einzugehen. Manche Betriebe reagieren auf sinkende Auftragslage mit Zurückhaltung beim Nachwuchs.
Strukturelles Mismatch als Kernproblem
Das eigentliche Problem ist kein rein quantitatives, sondern ein strukturelles. Bewerber und offene Stellen passen regional und beruflich nicht zusammen. Jugendliche bevorzugen bestimmte Berufsbilder: Kaufmännische Berufe und Medienwirtschaft sind begehrt, Metallbau, Elektrotechnik oder Lebensmittelhandwerk dagegen weniger.
Viele junge Menschen sind zudem nicht mobil genug. Wer in einer ländlichen Region wohnt, aber keine Ausbildung in der Nähe findet, bewirbt sich oft gar nicht weiter. Freie Stellen in anderen Landkreisen bleiben ungenutzt.
Was Betriebe und Vermittler jetzt tun
Die Bundesagentur für Arbeit und die IHK empfehlen Bewerbern, ihren Radius zu erweitern. Eine Nachvermittlung nach dem offiziellen Starttermin im September ist möglich. Viele Betriebe bieten noch im Herbst Vertragsabschlüsse an.
Unternehmen in Baden-Württemberg verfolgen verschiedene Strategien. Einige erhöhen die Ausbildungsvergütung. Andere kooperieren mit Schulen, um frühzeitig auf sich aufmerksam zu machen. Manche akzeptieren Bewerber mit schwächeren Schulabschlüssen und investieren in begleitende Fördermaßnahmen.
Fachkräftemangel bleibt langfristige Herausforderung
Wer heute keine Azubis findet, hat in drei bis vier Jahren kein eigenes Fachkräftepotenzial. Für den Mittelstand in Baden-Württemberg ist das ein ernstes Risiko. Viele Unternehmen decken ihren Bedarf traditionell über die eigene Ausbildung.
Der demografische Wandel verschärft die Lage. Die Zahl der Schulabgänger sinkt langfristig. Daran ändert auch ein kurzfristiger Bewerberüberschuss nichts.
Fazit
Mehr Bewerber und weniger Stellen klingen nach einem einfachen Gleichgewicht. Doch ohne bessere Vermittlung, mehr Flexibilität auf beiden Seiten und gezielte Förderung bleibt die Lücke bestehen. Für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist das eine zentrale Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
