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Tausende junge Menschen beginnen in diesen Tagen ihre Berufsausbildung in Baden-Württemberg. Doch die Zahl der neuen Azubis sinkt. Fachleute schlagen Alarm: Der Rückgang trifft eine Wirtschaft, die bereits unter Fachkräftemangel leidet.
Weniger Ausbildungsverträge in Baden-Württemberg
Die Betriebe im Südwesten finden immer schwerer Nachwuchs für eine duale Ausbildung. Dieser Trend hält seit Jahren an. Weniger Schulabgänger, mehr Studienberechtigte und wachsende Konkurrenz durch Hochschulen setzen den Ausbildungsmarkt unter Druck.
Bundesweit zeigt sich dasselbe Bild. Laut Statistischem Bundesamt verfügten im Jahr 2025 rund 26 Prozent der neu eingetragenen Auszubildenden über eine Hochschul- oder Fachhochschulreife. Gut ein Viertel der Azubis bringt also Abitur mit. Die duale Ausbildung zieht also auch qualifizierte Bewerber an. Das reicht dennoch nicht aus, um den Rückgang insgesamt aufzufangen.
Warum die Zahlen sinken
Mehrere Faktoren erklären den Rückgang. Zum einen gibt es schlicht weniger junge Menschen im ausbildungsrelevanten Alter. Die demografische Entwicklung macht sich bemerkbar. Zum anderen entscheiden sich viele Schulabgänger mit höheren Abschlüssen für ein Studium statt für eine Berufsausbildung.
Hinzu kommt: Manche Ausbildungsberufe gelten als wenig attraktiv. Niedrige Ausbildungsvergütungen, körperlich belastende Tätigkeiten oder unregelmäßige Arbeitszeiten schrecken Bewerber ab. Betriebe in bestimmten Branchen kämpfen deshalb besonders stark um Nachwuchs.
Gleichzeitig bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Unternehmen finden keine geeigneten Bewerber. Der Markt klemmt auf beiden Seiten.
Handwerk besonders betroffen
Genaue Zahlen für das Handwerk in Baden-Württemberg lagen zum Ausbildungsstart noch nicht vor. Bekannt ist jedoch, dass Handwerksbetriebe seit Jahren besonders intensiv um Azubis werben. Berufe wie Elektroniker, Anlagenmechaniker oder Kfz-Mechatroniker sind gefragt, aber schwer zu besetzen.
Industrie und Handel stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die IHK Baden-Württemberg begleitet den Ausbildungsstart und beobachtet die Entwicklung eng. Konkrete Zahlen für das laufende Ausbildungsjahr werden erst in den kommenden Wochen vollständig vorliegen.
Langfristige Folgen für die Wirtschaft
Die Konsequenzen sind absehbar. Wer heute nicht ausbildet, hat in drei Jahren keinen eigenen Fachkräftenachwuchs. Der Effekt trifft Unternehmen mit zeitlicher Verzögerung, aber mit voller Wucht.
Baden-Württemberg ist ein industriestarkes Bundesland. Automobil- und Maschinenbauunternehmen, viele davon aus dem Mittelstand, sind auf gut ausgebildete Facharbeiter angewiesen. Fällt dieser Nachwuchs weg, entsteht eine Lücke, die sich kaum durch Zukauf von außen schließen lässt.
Fachleute fordern deshalb mehr Anstrengungen von Betrieben und Politik. Bessere Ausbildungsvergütungen, gezielte Berufsorientierung an Schulen und attraktivere Karrierewege sollen mehr junge Menschen für die duale Ausbildung gewinnen.
Berufsberatung und Berufsorientierung als Hebel
Schulen und Arbeitsagenturen in Baden-Württemberg setzen auf frühe Berufsorientierung. Praktika, Betriebsbesuche und Ausbildungsmessen sollen das Bild der Berufsausbildung verbessern. Der Kontakt zwischen Schülern und Betrieben gilt dabei als wichtiger Faktor.
Viele Unternehmen investieren selbst in Nachwuchsgewinnung. Sie kooperieren mit Schulen, bieten Schnupperpraktika an und werben auf Social-Media-Plattformen gezielt um junge Bewerber. Der Wettbewerb um Azubis läuft längst auf digitalen Kanälen.
Fazit
Der sinkende Azubi-Trend in Baden-Württemberg ist kein kurzfristiges Phänomen. Er ist das Ergebnis demografischer Verschiebungen, veränderter Bildungsbiografien und struktureller Probleme am Ausbildungsmarkt. Betriebe, Verbände und Politik müssen gegensteuern. Die Grundlage für den Fachkräftebedarf von morgen wird heute gelegt.
