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Der Audi-Standort Neckarsulm gerät immer stärker unter Druck. Walter Döring, ehemaliger Wirtschaftsminister Baden-Württembergs, hat die Automobilbranche scharf kritisiert. Die Bosse hätten Weichenstellungen der vergangenen Jahre schlicht verschlafen, so sein Urteil.
Ein Standort in der Krise
Audi produziert in Neckarsulm seit Jahrzehnten Fahrzeuge der oberen Mittelklasse und Oberklasse. Tausende Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt vom Werk ab. Die Lage hat sich jedoch verschlechtert.
Der Druck kommt von mehreren Seiten: Der Wandel zur Elektromobilität verläuft schleppender als erwartet, die Konkurrenz aus China gewinnt Marktanteile, und der Mutterkonzern VW steht selbst vor erheblichen wirtschaftlichen Problemen.
Döring: Versäumnisse auf Führungsebene
Walter Döring, 1954 in Stuttgart geboren und ehemaliges FDP-Mitglied, war über Jahre Wirtschaftsminister in Baden-Württemberg. Seine Einschätzung fällt deutlich aus.
Die Automobilbosse hätten grundlegende Entwicklungen nicht rechtzeitig erkannt, so Döring. Das betrifft die Transformation zur Elektromobilität ebenso wie den Aufstieg neuer Wettbewerber aus Asien. Konzernstrategien seien zu spät angepasst worden.
Döring spart aber auch die Politik nicht aus. Die politischen Rahmenbedingungen hätten die Branche nicht ausreichend auf den Wandel vorbereitet. Förderpolitik und industriepolitische Entscheidungen seien zu zögerlich gewesen.
Strukturwandel trifft die Region hart
Der Landkreis Heilbronn, in dem Neckarsulm liegt, zählt zu den wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands. Das Audi-Werk ist ein zentraler Arbeitgeber. Ein Stellenabbau oder eine Schließung hätte weitreichende Folgen für die gesamte Region.
Zahlreiche Zulieferbetriebe im Umkreis sind direkt von der Auslastung des Werks abhängig. Handwerk, Dienstleistungen und kommunale Steuereinnahmen würden spürbar leiden. Die Kommunen rund um Neckarsulm verfolgen die Entwicklung deshalb mit großer Sorge.
Elektromobilität als Prüfstein
Welche Modelle künftig in Neckarsulm gefertigt werden, ist noch nicht abschließend geklärt. Audi hat in den vergangenen Jahren Investitionen in Elektrofahrzeuge angekündigt, die Umsetzung läuft jedoch nicht überall nach Plan.
Der europäische Automobilmarkt schwächelt. Die Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen blieb hinter den Prognosen zurück. Konzerne wie Audi stehen damit vor einem Dilemma: Zu schneller Umbau gefährdet die Auslastung, zu langsamer Umbau kostet Marktanteile.
Döring sieht genau hier das Kernproblem. Die Industrie habe sich zu lange auf den Erfolg des Verbrennungsmotors verlassen. Der Technologiewechsel sei nicht konsequent genug vorbereitet worden.
Politische Verantwortung für den Industriestandort
Baden-Württemberg ist stärker als jedes andere Bundesland von der Automobilindustrie abhängig. Neben Audi in Neckarsulm prägen Mercedes in Stuttgart und Sindelfingen sowie Porsche in Zuffenhausen das wirtschaftliche Profil des Landes.
Wirtschaftspolitiker fordern bessere Rahmenbedingungen für die Transformation: günstigere Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und gezielte Förderung von Forschung und Entwicklung. Ob und wie schnell diese Maßnahmen greifen, ist offen.
Fazit
Walter Döring benennt, was viele in der Branche intern diskutieren: Die Automobilindustrie hat Fehler gemacht, die Politik hat zu wenig gegengesteuert. Was mit dem Standort Neckarsulm geschieht, wird zeigen, wie ernst beide Seiten die Lage nehmen.
