Meilenstein für klimaneutralen Verkehr
Mit dem Aktionsplan reFuels hat Baden-Württemberg gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Verbänden ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgelegt, das den Hochlauf strombasierter Kraftstoffe in Europa beschleunigen soll. Ziel ist es, Investitionen in industrielle Großanlagen auszulösen, die Produktion von sogenannten reFuels (strombasierten, regenerativen Kraftstoffen) zu steigern und so einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele zu leisten.
„Ohne reFuels fehlen uns ein unverzichtbarer Baustein und wichtige Emissionseinsparungen auf dem Weg zur Klimaneutralität“, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann. Der Aktionsplan sei das Ergebnis intensiver Gespräche mit über 20 Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Ministerien.
Breites Bündnis für die Verkehrswende
Die Notwendigkeit von reFuels ist besonders in der Luft- und Schifffahrt groß, da diese Sektoren nur schwer elektrifiziert werden können. Dennoch sind die Investitionen in industrielle Produktionsanlagen bislang ausgeblieben. Mit dem Aktionsplan entsteht nun ein breiter Schulterschluss, der diese Lücke schließen will.
„Hier wächst ein starkes Bündnis für regenerative Kraftstoffe“, so Hermann. Der Aktionsplan enthält konkrete Reformvorschläge für EU-Regelungen, die einen funktionierenden Markt für reFuels ermöglichen sollen.
Regeln für die Markteinführung verbessern
Das Papier benennt acht zentrale Stellschrauben, die Investitionssicherheit schaffen und den Markteintritt erleichtern sollen: praxisgerechte Übergangsregeln bei Grünstromkriterien, die Nutzung unvermeidbarer CO₂-Emissionen auch nach 2040, realistische Importregeln für Power-to-Liquid-Kraftstoffe, regulatorischen Bestandsschutz für erste PtL-Anlagen, einen klaren Fahrplan zur Klimaneutralität 2050 sowie ein europäisches Book-&-Claim-System für SAF (Sustainable Aviation Fuels).
„Es geht uns nicht darum, Klimaschutzregeln aufzuweichen, sondern Klimaschutz überhaupt erst möglich zu machen“, betonte Hermann. Die Vorschläge sollen nun in Brüssel eingebracht werden, um dort die dringend nötige Anpassung des Rechtsrahmens anzustoßen.
Industrie und Wissenschaft drängen auf Planungssicherheit
Unternehmen wie die Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) warnen, dass die aktuellen Rahmenbedingungen nicht ausreichen, um milliardenschwere Investitionen anzustoßen. „Ohne Planungssicherheit ist es unwahrscheinlich, dass die erforderlichen Anlagen gebaut werden“, so MiRO-Geschäftsführer Dr. Andreas Krobjilowski.
KIT-Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Hirth ergänzt: „Die Technologien stehen kurz vor der industriellen Skalierung. Doch die bestehenden Vorgaben verzögern die Umsetzung und damit Fortschritte beim Klimaschutz. Wir brauchen jetzt regulatorische Offenheit und Innovationsfreiräume.“
Allianz Neues Fliegen: Praxisprojekt für den Luftverkehr
Parallel zum Aktionsplan hat das Verkehrsministerium die Allianz Neues Fliegen ins Leben gerufen. Sie bringt Akteure aus Luftfahrtindustrie, Forschung und Wirtschaft zusammen, um den Einsatz von nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF) deutlich über die EU-Quoten hinaus zu steigern.
„Anstatt auf nachträgliche Kompensation zu setzen, wollen wir Emissionen direkt vermeiden – durch den Einsatz von klimafreundlichem Kerosin“, erklärte Hermann. Die Allianz will Bewusstsein schaffen, Nachfrage generieren und für verlässliche Rahmenbedingungen auf nationaler und europäischer Ebene sorgen.
Baden-Württemberg als Vorreiterregion
Mit dem Aktionsplan reFuels und der Allianz Neues Fliegen unterstreicht Baden-Württemberg seinen Anspruch, Treiber der Verkehrswende zu sein. Das Land stellt damit die Weichen für einen schnelleren Markthochlauf von reFuels und eine deutliche Reduzierung der Emissionen im Verkehrssektor.
„Jetzt ist der richtige Moment, um die Produktion strombasierter Kraftstoffe auf den Weg zu bringen“, so Hermann. „Nur wenn wir den Markteintritt jetzt ermöglichen, können wir die ambitionierten Klimaziele bis 2050 erreichen.“
