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Andreas Schweickert hat in seinem Leben bereits mehrere Karrieren hinter sich. Der 66-Jährige war Polizist, bevor er in die Gastronomie wechselte. Nun lernt er erneut: Der Betreiber des Restaurants am Hohenstaufen bereitet sich auf die Ausbildereignungsprüfung vor, kurz AEVO. Der Grund ist sein Mitarbeiter Nour Augustin, 21 Jahre alt, der bislang nur jobbte, aber keine Ausbildung absolvierte.
Vom Jobber zum Auszubildenden
Nour Augustin arbeitete im Restaurant seines Chefs ohne formalen Ausbildungsvertrag. Er hatte Ideen für seine berufliche Zukunft, aber keinen konkreten Plan. Schweickert erkannte das Potenzial seines Mitarbeiters und entschied sich, selbst aktiv zu werden.
Der Unternehmer meldete sich für einen AEVO-Kurs an. Die Ausbildereignungsverordnung ist Voraussetzung, um in Deutschland offiziell Auszubildende betreuen zu dürfen. Ohne diesen Nachweis darf ein Betrieb keine anerkannte Berufsausbildung anbieten.
Schweickert investiert damit Zeit und Geld in die Qualifizierung seines Mitarbeiters. Für einen 66-Jährigen, der kurz vor dem Rentenalter steht, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Fachkräftemangel in der Gastronomie
Die Gastronomie gehört in Baden-Württemberg zu den Branchen mit dem größten Nachwuchsproblem. Viele Betriebe klagen über fehlende Bewerber für Ausbildungsplätze. Gleichzeitig arbeiten in der Branche viele junge Menschen auf Minijob-Basis oder in befristeten Aushilfsverhältnissen.
Wer dauerhaft in Helferjobs verbleibt, hat langfristig schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Eine abgeschlossene Berufsausbildung schafft Sicherheit und eröffnet Möglichkeiten, die Jobber-Stellen nicht bieten.
Schweickert geht einen anderen Weg: Er holt keinen ausgebildeten Fachmann von außen, sondern entwickelt einen vorhandenen Mitarbeiter weiter.
AEVO als Hürde und Chance
Die Ausbildereignungsprüfung umfasst berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse. Wer sie besteht, kann Auszubildende in einem anerkannten Ausbildungsberuf betreuen. Die Prüfung wird von den Industrie- und Handelskammern abgenommen.
Für kleine Gastronomiebetriebe ist die AEVO-Zertifizierung oft eine unterschätzte Investition. Sie erlaubt es, eigenen Nachwuchs aufzubauen, statt auf dem knappen Fachkräftemarkt zu suchen.
Ein ungewöhnlicher Berufsweg
Der Gastronom ist kein gelernter Hotelfachmann oder Koch. Er kam über den Polizeidienst in die Gastronomie. Sein eigener Werdegang verlief alles andere als klassisch.
Nour Augustin bekommt nun die Chance, die viele junge Menschen in ähnlicher Lage nicht erhalten: einen Ausbildungsvertrag, einen anerkannten Abschluss, eine Perspektive. Sein Chef macht dafür mit 66 Jahren noch einmal eine Prüfung.
Fazit
Betriebe, die in die Ausbildungsfähigkeit investieren, sichern sich Fachkräfte für die Zukunft. Für Nour Augustin könnte Schweickerts Schritt der Einstieg in eine qualifizierte Berufslaufbahn sein.
