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Baden-Württemberg startet mit 426 unbesetzten Lehrerstellen ins neue Schuljahr. Das geht aus Zahlen des Kultusministeriums hervor. Besonders stark betroffen ist die Sonderpädagogik, aber auch berufliche Schulen und Fächer wie Musik oder Technik haben zu wenig Fachkräfte.
Weniger Lücken als im Vorjahr, aber weiter angespannt
Verglichen mit dem Vorjahr hat sich die Lage leicht entspannt. Im Jahr 2025 waren kurz vor Schulstart noch 1.159 Stellen unbesetzt. Die Zahl ist damit deutlich gesunken. Die Unterrichtsversorgung im Südwesten bleibt dennoch angespannt.
Die 426 offenen Stellen verteilen sich ungleich über die Schularten. Auffällig: 161 Stellen für technische Lehrkräfte an beruflichen Schulen sind nicht besetzt. Bei Fachlehrern für musisch-technische Fächer fehlen 150 Personen.
Sonderpädagogik als strukturelles Problem
Sonderpädagogische Schulen stehen unter besonderem Druck. Der Bedarf an spezialisierten Lehrkräften ist hoch, das Studienangebot gleichzeitig begrenzt. Wer Sonderpädagogik studiert, kann sich seinen Arbeitgeber oft aussuchen. Der Staatsdienst konkurriert dabei mit freien Trägern und anderen Bundesländern.
Der Fachkräftemangel im Bildungsbereich zieht sich seit Jahren durch die Schulpolitik des Landes. Schon 2005 sorgten strukturelle Fehler für Probleme: Ein Softwarefehler hatte dazu geführt, dass rund 1.440 Lehrerstellen über zwei Jahrzehnte nur auf dem Papier vergeben wurden. Der Fehler blieb lange unentdeckt.
Berufliche Schulen unter Druck
Berufliche Schulen sind ein weiterer Brennpunkt. Sie bilden Fachkräfte für Industrie, Handwerk und Dienstleistungen aus. Fehlen hier Lehrkräfte, hat das direkte Folgen für die Ausbildung des Nachwuchses.
Technische Lehrkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Wer Ingenieurswissenschaften oder Informatik studiert hat, verdient in der Privatwirtschaft oft deutlich mehr als im Schuldienst. Das erschwert die Gewinnung.
Klagen und Mehrarbeit belasten das System
Lehrkräfte in Baden-Württemberg haben den Staat wegen unbezahlter Mehrarbeit verklagt. Der Vorwurf: Der Dienstherr verweigere Ausgleichstage für geleistete Überstunden. Solche Auseinandersetzungen belasten das Bild des Arbeitgebers Schule zusätzlich.
Wer Mehrarbeit leistet und dafür keinen Ausgleich erhält, empfiehlt den Beruf seltener weiter. Das erschwert die Nachwuchsgewinnung langfristig.
Fazit
Die Zahl der offenen Lehrerstellen in Baden-Württemberg ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Doch 426 unbesetzte Stellen zum Schulstart bleiben ein ernstes Problem. Sonderpädagogik, technische Fächer und berufliche Schulen brauchen gezielte Maßnahmen. Bessere Arbeitsbedingungen, faire Vergütung und mehr Studienplätze in Mangelfächern wären konkrete Ansätze.
