Jubiläum als Zeichen für Beständigkeit und Innovation
Die Gärtnerei Kiemle in Bietigheim-Bissingen feiert ihr 100-jähriges Bestehen – ein Anlass, der nicht nur die lange Tradition des Familienbetriebs würdigt, sondern auch den Blick auf die Zukunft des Gemüsebaus in Baden-Württemberg richtet. Minister Peter Hauk vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hob bei seinem Besuch die große Bedeutung innovativer Gartenbaubetriebe hervor: „Wir brauchen Betriebe, die Antworten auf den Klimawandel, den Strukturwandel und die zunehmende Digitalisierung geben. Die Gärtnerei Kiemle zeigt, wie es gelingen kann.“
Gemüsebau in Baden-Württemberg – Chancen und Herausforderungen
In Baden-Württemberg konzentrieren sich die Schwerpunkte des Gemüseanbaus im nördlichen Landesteil von Stuttgart bis Mannheim sowie im südbadischen Raum. Beide Regionen profitieren von einem milden Klima und der Nähe zu Ballungszentren, die Absatzmöglichkeiten direkt bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern bieten. Während der Gemüsebau über viele Jahre positive Entwicklungen verzeichnete, ist seit rund einem Jahrzehnt ein rückläufiger Trend zu beobachten. Minister Hauk sieht daher gerade in innovativen Betrieben wie Kiemle einen entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Nachhaltigkeit als Grundprinzip
Die Gärtnerei Kiemle gilt als Vorreiter im betrieblichen Umweltschutz. Ein groß dimensioniertes Regenwassersammelbecken mit 20.000 Kubikmetern Fassungsvermögen sichert die Bewässerung, energiesparende Lastenfahrräder ersetzen innerbetriebliche Transporte mit Fahrzeugen, und Blühstreifen rund um die Gewächshäuser fördern die Artenvielfalt und unterstützen Bestäuberinsekten. Zudem setzt der Betrieb konsequent auf Mehrwegkisten statt Einwegverpackungen und produziert hochwertige, zertifizierte Produkte aus regionalem Anbau möglichst umweltschonend.
Energieeffizienz durch innovative Technik
Auch in der Energieversorgung zeigt die Gärtnerei Kiemle Innovationsgeist. In der Unterglasproduktion kommt moderne Gas-Brennwerttechnik zum Einsatz. Das dabei entstehende Kohlenstoffdioxid (CO₂) wird direkt als Dünger für die Pflanzen genutzt und steigert so das Wachstum von Fruchtgemüsekulturen. „Dieser Betrieb geht über das Notwendige hinaus und zeigt, wie nachhaltiger Gemüsebau aussehen kann. Solche Pioniere braucht unser Land“, lobte Minister Hauk.
Rückläufige Flächen, neue Kulturen
Die Gemüseflächen im Freiland sind in Baden-Württemberg seit 2016 rückläufig und umfassten laut der Gemüseerhebung 2024 noch rund 10.500 Hektar. Zu den wichtigsten Kulturen zählen neben Spargel, Salaten und Kohlarten auch Zuckermais und Karotten. Unter Glas oder im Folientunnel werden auf rund 343 Hektar weiterhin intensiv Gemüse angebaut. Der Klimawandel eröffnet zudem neue Perspektiven: So gedeihen mittlerweile auch Melonen und Süßkartoffeln im Land.
Biogemüse im Aufschwung
Parallel dazu wächst die Bedeutung von regionalem Biogemüse. Bereits 17 Prozent der Gemüseflächen werden 2024 ökologisch bewirtschaftet. Im Freiland setzen 257 Betriebe auf 1.819 Hektar auf ökologische Standards, während es im Unterglasbereich bereits ein Drittel der Flächen – rund 117 Hektar – sind. Damit gewinnt Bio zunehmend an Marktanteilen und prägt das Bild des baden-württembergischen Gemüsebaus.
Qualitätszeichen als Orientierung für Verbraucher
Zum Abschluss würdigte Minister Hauk die Gärtnerei Kiemle auch als wichtigen Partner im Rahmen des Qualitätszeichens Baden-Württemberg. Dieses Label kennzeichnet hochwertige und regionale Produkte und erleichtert den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Orientierung beim Einkauf. „Das Qualitätszeichen ist ein starkes Alleinstellungsmerkmal im Handel. Die Gärtnerei Kiemle ist ein Aushängeschild dafür, wie Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können“, so der Minister.
